Streit zwischen YouTube und GEMA

Durch die Presse (Heise-Newsticker, Handelsblatt, Tagesschau) geisterte gestern abend die Meldung, dass es Streit zwischen Google und der GEMA um die Musikrechte für die Video-Plattform YouTube gibt.

Das ist schon an sich ein interessanter Testfall für die Frage, wie Urheberrechte im Internet geregelt werden können – gerade deshalb, weil er so schön komplex ist. Die GEMA will die Verwertungsrechte der Urheber schützen, Google mit seiner Video-Plattform YouTube Geld verdienen. Gleichzeitig ist YouTube eine wunderbare Werbeplattform für die Musikindustrie und wird von einigen Firmen auch als solche genutzt. Kein Wunder, dass beide Seiten hoch pokern, um das Beste für sich herauszuholen. Jetzt haben sie anscheinend zu hoch gepokert und beide verloren.

Das habe ich gedacht, bis ich diesen Satz aus der Pressemitteilung der GEMA gelesen habe:

Der Komponist Prof. Dr. Enjott Schneider über die aktuelle Online-Diskussion: „Ein Glück, dass es in diesem Tal voller Flatrate-Kultur und Flatrate-Hirnen die GEMA gibt, sonst wäre ein ‚Urheber‘ verraten und verkauft!“

Als ich dieses Zitat bei Heise gelesen habe, habe ich es zuerst für einen vorgezogenen Aprilscherz gehalten und mich deshalb noch einmal in der Original-Pressemitteilung der GEMA vergewissert.

Mit diesem Zitat hat sich die GEMA selbst disqualifiziert. Denn „Flatrate-Hirne“ ist eindeutig als Beleidigung gemeint. In vielen Internetforen würde ein Kommentar mit einer solchen Formulierung wahrscheinlich gelöscht. Wenn eine Organisation wie die GEMA es nötig hat, zu so einer Sprache zu greifen, kann es um ihr Anliegen nicht gut stehen.

Ich frage mich ohnehin, warum Musikindustrie, GEMA und andere meinen, sie könnten die Achtung von Urheberrechten dadurch fördern, dass sie die Hörer von Musik beschimpfen, beleidigen und mit DRM schikanieren. Gerade diejenigen, die sich Musikvideos auf YouTube ansehen und anhören, werden das in der Überzeugung tun, dass dies auf YouTube völlig legal ist. Für viele ersetzt das Internet inzwischen Medien wie Radio und Fernsehen. Und bei Radio und Fernsehen gab es bei uns auch immer schon eine „Flatrate“ in Form der GEZ. Wenn Musiker, Musikindustrie und GEMA jetzt, weil es im Internet technisch machbar wäre, wollen, dass wir für jedes Anhören eines Musikstücks per Mikrobezahlung einzeln bezahlen, dann müssen sie den Leuten erst einmal klar machen, warum ihnen dieser Kulturbruch nötig erscheint. Mit Beleidigungen und Beschimpfungen werden sie aber wahrscheinlich niemanden überzeugen.

So jemand wie ich kommt in der Welt dieser Leute ohnehin nicht vor. Die meisten CDs habe ich mir in letzter Zeit gekauft, nachdem ich Stück daraus auf YouTube angehört habe (z.B. Pentangle, die ich allerdings schon vorher kannte). Ich habe mir im letzten Jahr sogar eine CD gekauft, von der ich nicht nur ein Stück bei YouTube gehört, sondern die ich bei Jamendo bereits komplett heruntergeladen hatte (was inzwischen wohl nicht mehr möglich ist).

Allerdings: Je öfter ich mir irgendwelche Beschimpfungen anhören muss, desto mehr Frage ich mich, warum ich mir überhaupt noch CDs kaufe.