Was mich an den Bildern von der Präsidentschaftswahl in den USA heute am meisten beeindruckt hat, ist die Rede von John McCain. Da zeigt er gerade in der Niederlage seine Größe.
Heute morgen stand es fest: Barack Obama hat die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen, und das mit einer deutlichen Mehrheit. Mich hat Barack Obama seit seiner grandiosen Rede auf dem demokratischen Parteitag 2004 fasziniert. Deshalb freut es mich wirklich, dass er es jetzt tatsächlich geschafft hat.
Ich gebe zu, dass ich bereits gestern abend so zuversichtlich war, dass ich mir die ultimative Hitliste für die Obama-Siegesparty auf taz.de durchgehört habe. Jetzt, wo der Sieg fest steht, bin ich eher gespannt, was Obama daraus machen wird, ob es ihm gelingen wird, trotz all der Probleme, die George W. Bush hinterlassen hat, wenigstens einen Teil dessen umzusetze, was er angekündigt hat.
Das wäre an sich noch nicht sonderlich berichtenswert. Bemerkenswert ist, wie Colin Powell diese Entscheidung begründet:
Ich weiß nicht, ob dies wirklich die “most important, most profound, more powerfully argued 7 minutes of this campaign” sind, aber diese klare und präzise Argumentation ist ein Genuss – etwa wenn Powell auf die Vorwürfe eingeht, Obama sei ein Moslem:
Gerade bei jetzt.de entdeckt: der Simpsons-Spot zur US-Präsidentschaftswahl 2008.
Genau so stelle ich mir die Wahl 2008 auch vor. So lange in den USA Wahlmaschinen eingesetzt werden, wird immer der republikanische Kandidat gewinnen. Da mag der Wahlkampf noch so spannend sein, er bleibt doch nur reine Show.
Das YouTube-Video ist nicht mehr verfügbar, aber das Video lässt sich noch bei Google Video anschauen.
Die deutschen Medien haben große Schwierigkeiten mit Barack Obama. Er passt einfach nicht in ihr Schema. Oder sagen wir besser: in ihr reaktionäres Weltbild.
Erst angeblich ein Moslem, jetzt in der falschen Christengemeinde: Obama macht es ihnen wirklich nicht leicht.
In den letzten Tagen konnte man überall im Internet Schlagzeilen lesen wie „Obama distanziert sich von Pastor“ oder „Hasspredigt: Obama distanziert sich von Pfarrer“ oder „Obama distanziert sich von Prediger“ (schön subtil, weil „Prediger“ den Gedanken an „Hasspredigt“ gleich mitklingen lässt). Diese Schlagzeilen haben mich ziemlich ernüchtert: Wieder einer, der, sobald es opportun wird, sich von alten Freunden lossagt und seine Freundschaft mit ihnen verrät.
Ein Vorwurf, der Barack Obama gemacht wird, ist der, dass er nur eine emotionale Botschaft, aber keine Inhalte, kein politisches Programm habe. Das ist ein typisches Argument von Journalisten, die selber keine Zeit haben, sich mit den Inhalten zu befassen. Wahrscheinlich sind es die gleichen Journalisten, die seinerzeit – ohne selber den Verfassungsvertrag gelesen zu haben – den Gegnern des Europäischen Verfassungsvertrags vorgeworfen haben, ihnen würde es gar nicht um den Inhalt des Vertrages gehen, sondern um andere Dinge.
Wer Obamas Rede am Sonntag auf dem Jefferson-Jackson Dinner in Virgina gehört hatte, kann nicht mehr sagen, dass er keine Inhalt vertrete. Man mag seine Forderungen für falsch oder unausgegoren halten, aber sie sind sehr klar. Keine Steuererleichterungen für Reiche oder große Unternehmen, sondern für Geringverdiener. Regelmäßige Anpassung des Mindestlohns, wenigstens in Höhe der Inflationsrate. Sicher alles keine revolutionären Ideen, aber zumindest links von dem, was die meisten deutschen Parteien vertreten, wo die SPD gerade wieder Steuergeschenke für die großen Unternehmen durchgesetzt hat.
Vor vier Wochen erschien auf den Internetseiten der Tageszeitung Die Welt ein Artikel von Hannes Stein über „Das Märchen von Obama, dem Islamisten“, an dem die Wirkung von Gerüchten sehr deutlich wird: Auch wenn nichts daran wahr ist, bleibt am Ende doch etwas hängen.
Denn obwohl der Artikel klar stellt, dass Obama ein bekennender Christ ist, als Kind in Indonesien keine islamistische Schule besuchte, in der ihm der Hass auf die Juden gepredigt wurde, sondern eine gemischt konfessionelle staatliche Schule usw., tun einige Leser in ihren Kommentaren so, als sei doch etwas an den Gerüchten dran:
WALID meint: 10.01.2008, 18:06 Uhr
ich finde es gut das Obama als Schwarzer sich zur Wahl stellt aber traurig und schade daß er evtl. (wer weiß) dafür seine Religion aufgibt …..damit irgendwelche nichts von Islam versteher ihn wählen!