Microsoft

Verkaufsverbot für Microsoft Word

Eine Meldung, die gestern schon bei Golem und Heise erschien, und heute auch auf den Internetseiten der Tagesschau auftaucht, möchte ich nicht unkommentiert lassen:

Am 11. August 2009 hat ein texanisches Gericht in einer einstweiligen Verfügung ein Verkaufsverbot für alle XML-fähigen Versionen von Microsoft Word verhängt (also ab Version 2003), weil Microsoft nach Auffassung des Gerichts gegen das US-Patent 5,787,449 des kanadischen Herstellers I4i verstößt. Das Urteil darüber war schon im Mai ergangen. Weil Microsoft sich weigerte, das Urteil anzuerkennen, hat der Richter nun das Verkaufsverbot für Word verhängt, dass binnen 60 Tagen umzusetzen ist.

Meiner Ansicht nach ein hervorragendes Beispiel für den Irrsinn des Patentsystems.

Der Deutschlandfunk zu Microsofts “Open XML”

Unter dem Titel Punktsieg für die Lobbyisten unterhalten sich die Journalisten Manfred Kloiber und Peter Welchering über die ISO-Standardisierung von Microsofts Dateiformat “Office Open XML”.

Interessant ist die folgende Einschätzung:

Aus der internationalen Standardisierungsorganisation ISO ist dabei zu hören, dass ODF sich als Dokumentenformat bei zahlreichen Office-Anwendungen nicht durchsetzen konnte, etwa bei Office 2007. Und da gab es dann die Überlegung: Wenn der Marktführer in Sachen Office-Anwendungen, Microsoft also, einen Konkurrenzstandard zum ODF als ISO-genormten Standard durchsetzt, werden sich alle an diesen Standard halten, inklusive – und das ist der springende Punkt dabei – Microsoft.

Das Handelsblatt zum Streit der Dokumentenformate

Während alle Welt auf die Veröffentlichung des Ergebnisses zur entscheidenden ISO-Abstimmung über OOXML bzw. DIS 29500 wartet, hat das Handelsblatt zwei sehr lesenswerte Artikel zum Streit der Dokumentenformate zwischen ODF und OOXML veröffentlicht.

Unter dem Titel Das Tempo-Taschentuch der Textverarbeitung geben Axel Postinett und Andreas Rinke einige interessante Einblicke in den Abstimmungsprozess beim DIN, z. B. den folgenden Absatz über die Lobby-Arbeit der Firma Microsoft:

Einmal Microsoft, immer Microsoft

Über Open Malaysia habe ich das Zitat des Sprechers des Deutschen Städte- und Gemeindebundes wieder entdeckt, das mir in den letzten Wochen irgendwann einmal aufgefallen war. Herr Habbel zeigt darin nicht nur sehr schön, wie sehr er den Marketing-Versprechen von Microsoft auf den Leim gegangen ist. Er zeigt auch sehr deutlich, was Vendor Lock-in bedeutet:

DIN sagt „Ja“ zu OOXML

Wie Heise Online, Golem.de und andere mit Verweis auf Andy Updegrove berichten, hat der zuständige Lenkungsausschuss des DIN der ISO-Standardisierung von Microsofts Dateiformat OOXML zugestimmt.

Dem Bericht von Andy Updegrove zufolge hat es bei der Abstimmung einige Seltsamkeiten gegeben:

Germany is voting “YES” on DIS 29500 at ISO. The relevant committee was given by DIN only the choice between “YES” and “ABSTAIN” on DIS 29500, since changing from “YES with comments” in September 2007 to “NO” in March 2008 was deemed impossible. Everyone could vote “yes”, “abstain” or “no” on the question whether Germany should vote “YES” or “ABSTAIN” on DIS 29500.

Hintergründe zum EU-Verfahren gegen Microsoft

Das Portal LinuxWorld hat am 7. März 2008 ein Interview mit dem Juristen Carlos Piana veröffentlicht, der in dem EU-Verfahren gegen Microsoft die Free Software Foundation Europe und das Samba-Projekt vertreten hat. Das Interview enthält einige interessante Einblicke in das Verfahren – zwar von interessierter Seite, aber vieles lässt sich anhand anderer Quellen überprüfen.

Ein Aspekt des Verfahrens, der mir bislang gar nicht bewusst war (obwohl die Informationen dazu leicht zu finden sind): Die Geldsummen, die Microsoft als Strafe zahlen musste, bewegen sich zwar in Größenordnungen, die für mich schlicht unvorstellbar sind, aber sie liegen noch deutlich unter dem, was Microsoft in Laufe des Prozesses an Konkurrenten gezahlt hat, damit diese aus dem Prozess auszusteigen.

LinuxWorld: Some non-official information says that MS spent 3.6 billion dollars on several actions related to this case. Any comment?

ORF-Interview mit Georg Greve über OpenDocument und Microsofts OOXML

Mit der Veröffentlichung von OpenDocument als ISO-Norm und der Anerkennung von Microsofts “Office Open XML” durch die ECMA erreicht der Streit um das zukünftige Standardformat für Office-Dokumente eine neue Stufe.

Eine gute Einführung in das, worum es geht, bietet ein Interview mit Georg Greve von der FSFE über Das Dateiformat der Zukunft in der ORF Futurezone.

Greve bezieht sich in dem Interview auf die umfangreiche Diskussion zu diesem Thema im Internet. Leider sind die Quellen dazu nicht angegeben. Das versuche ich hier nachzuholen.

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