Der Begriff „geistiges Eigentum“ ist ein Modebegriff, der den Zeitgeist widerspiegelt wie kaum ein anderer. Ursprünglich ein bloßer Notbehelf, um in internationalen Verträgen die unterschiedlichen Rechtstitel zusammenzufassen, die sich in verschiedenen juristischen Traditionen zum Schutz kreativer Leistungen entwickelt haben, dient er immer mehr dazu, die Unterschiede zwischen diesen Rechtstiteln zu verwischen und das Urheberrecht als das persönliche Recht der Autoren an den von ihnen geschaffenen Werken durch die Verwertungsrechte großer Konzerne zu ersetzen.
„Nämlich die Worte müssen rein bleiben. Denn
Ein Schwert kann zerbrochen werden und ein Mann
Kann auch zerbrochen werden, aber die Worte
Fallen in das Getriebe der Welt uneinholbar
Kenntlich machend die Dinge oder unkenntlich.
Tödlich dem Menschen ist das Unkenntliche.
So stellten sie auf, nicht fürchtend die unreine Wahrheit
In Erwartung des Feinds ein vorläufiges Beispiel
Reinlicher Scheidung, nicht verbergend den Rest
Der nicht aufging im unaufhaltsamen Wandel“
Heiner Müller, Der Horatier (1968)
Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und den Pentagon von Dienstag, dem 11. September 2001, fragten viele Kommentatoren, was für ein Hass die Attentäter bewegt haben muss, um Verbrechen von solch einem (bis dahin unvorstellbaren) Ausmaß zu begehen. Aber ich denke, diese Frage vermittelt einen falschen Eindruck: als ob die Attentäter aus einem Gefühl heraus gehandelt hätten oder gar im Affekt. Denn nach allem, was wir über diese Verbrechen wissen, haben sie mit Gefühlen nur wenig zu tun.
Eine Bemerkung zu Anselm von Canterbury
»Noch immer bist du, Herr, meiner Seele verborgen in deinem Licht und deiner Glückseligkeit, und darum bewegt sie sich noch immer in ihrer Finsternis und ihrem Elend. Denn sie schaut umher und sieht deine Schönheit nicht. Sie horcht und hört doch deinen Wohlklang nicht. Sie riecht und nimmt deinen Wohlgeruch nicht wahr. Sie kostet und erkennt nicht deinen Geschmack. Sie streichelt und fühlt nicht deine Zartheit. Du hast dies nämlich in deiner unaussprechlichen Weise verborgen, der du es den Dingen gegeben hast, die du in ihrer Sinnlichkeit geschaffen hast, aber betäubt, erstarrt, verrammelt sind die Sinne meiner Seele durch die langjährige Schlaffheit der Sünde.«
Anselm von Canterbury, Proslogion, cap. XVII